Samstag, 19. September 2009 10:43

v.l.n.r. Peter Barg, Frank Görlitz, Heinz Lewandowske, René Gräber
Nicht erst seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ ist er in aller Munde: Der „Jakobsweg“, die Pilgerstrecke nach Santiago de Compostela.
Jedes Jahr machen sich tausende von Menschen auf, den Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus zu beschreiten, innezuhalten vom alltäglichen Stress und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Doch nicht alle sind zu Fuß unterwegs, Peter Barg und Heinz Lewandowske aus Preetz zum Beispiel sind aktuell mit dem Rad auf dem Jakobsweg, rund 2.300 Kilometer wollen sie möglichst in 28 Tagen auf der Via Podiencis abstrampeln.
Doch hatte Peter Barg dies erst ganz anders geplant: “Eigentlich wollte ich ihn ja wandern, aber da hat mir mein Knie einen Strich durch die Rechnung gemacht”, erzählt er. “Und dann bin ich aufs Rad umgestiegen – allein geht so was natürlich nicht, aber erstmal jemanden finden, der das mitmacht.” Dieser „Jemand“ ist Heinz Lewandowske, beide trainieren schon lang im TSP und sind selbstverständlich nicht völlig unvorbereitet in dieses Abenteuer aufgebrochen.
Der 67jährige Peter Barg und der 62jährige Heinz Lewandowske haben seit Januar gezielt auf diese Tour hingearbeitet, auf den Geräten des Therapie- und Sportzentrums unter Anleitung unseres Sporttherapeuten Jens Niepagen trainiert und seit März bereits etliche Radtouren zurückgelegt, die längste über 120 km. Da der Pilgerweg durch eine sehr hügelige Landschaft führt, werden die Tagesetappen höchst unterschiedlich ausfallen – mal kann man 200 km schaffen, an anderen Tagen sind auch junge Radpilger mit 25 bis 30 km Strecke durchaus zufrieden. Durchschnittlich wollen unsere beiden Radpilger um die 80 km am Tag schaffen, doch: “Das wird uns nicht immer gelingen”, fürchtet Peter Barg. “Denn die vielen Pässe, die wir überqueren müssen, verkürzen viele unserer Tagesetappen, das müssen wir dann an anderen Tagen nachholen.”
Auf die Frage, wo der Jakobsweg beginne, erhält man in Spanien die Antwort: „El camino comienza en su casa“ (Der Weg beginnt an Ihrer Haustür). Diese Tour ist also nicht nur eine sportliche Herausforderung: “Grund ist sicher der sportliche Aspekt, aber wir wollen auch die Kultur kennenlernen, die Menschen”, so Peter Barg, “der Jakobsweg muss etwas ganz Besonderes sein – und ein bißchen will man auch zu sich selbst finden.” Daher wurden Landkarten gewälzt, die Strecke gut durchgeplant und in Freiburg letztendlich noch ein Bekannter besucht, der diese Strecke ebenfalls mit dem Rad bewältigt hat und mit Sicherheit einige gute Tipps geben kann.
Geschlafen wird zumeist in Pilgerherbergen, die über den gesamten Weg verteilt sind und in denen man die heißbegehrten Stempel in den Pilgerpass erhält. Die Reisezeit ist mit September/Oktober gut gewählt, denn im Juli und August ist in Spanien Ferienzeit, da sind Weg und Herbergen teilweise überfüllt, und danach beginnt die nasskalte Winterzeit, in der einige Teile des Weges unbefahrbar werden. Peter Bargs und Heinz Lewandowskes erste Etappe war der Hauptkamm der Vogesen (Frankreich) – 1.100 Meter Höhe gleich zum Einstand. Danach geht es über Cluny, Cahors, Moissac und Ostabat nach Spanien und dort wird der Monte Irago den beiden Preetzer allerdings stolze 1.504 Höhenmeter abverlangen, bevor sie Santiago de Compostela erreichen.
“Das schaffen sie locker”, ist sich Jens Niepagen, der die beiden durchgehend betreut hat, ganz sicher. “Sie sind fit und gut trainiert, das klappt.”
Auch auf die Preetzer Geschäftswelt konnten sich die beiden Radpilger verlassen: Die Trainingsbetreuung und die funktionelle Sportbekleidung (Shirts und Regenzeug), die bei einer solchen Tour sehr wichtig ist, bekamen sie vom TSP, die Reiseapotheke stellte das Gesundheitszentrum am Löwen kostenlos zur Verfügung und die „unplattbaren Reifen“ kamen von Zweirad Hannss.
Am Ende der Reise wartet die gewaltige Kathedrale von Santiago de Compostela, wo man die Statue des heiligen Jakobs umarmt, um sich für die Pilgerreise zu bedanken sowie seine Urkunde abholt – und die Ehefrauen der Beiden, mit denen sie im Anschluss an die Tour ein paar Tage ausspannen werden.
Weitere Informationen:
http://www.jakobsweg-rad.com/ – Drei Jungs, die im September 2006 den Jakobsweg per Rad absolviert haben, haben eine sehr gute Informationsseite zum Thema „Pilgern mit dem Rad“ zusammengestellt.